Alte deutsche Handschriften

Die Grundlagen unserer heutigen Schrift beruhen auf den Grundlagen wie sie sich im römischen Reich herausgebildet haben. Die karolingische Minuskel, die sich im 9. Jh. im deutschsprachigen Raum durchsetzt, ist für das gesamte westeuropäische Schriftbild bestimmend. Auf ihr beruht unsere heutige Schrift. Diese karolingische Minuskel steht bis Ende des 12. Jh. in ständigem Gebrauch. Im 12.-14. Jh. kommt es zu einem Wechsel in den Schriftformen - die gotische Schrift entsteht. Unter dem Einfluss des Humanismus und der Renaissance kommt es zu einer umfassenden Schriftreform. Vom 13. bis 15. Jh. lassen sich im wesentlichen zwei Hauptgruppen unterscheiden: die gotische Minuskel und die gotische Kursive. Aus den gotischen Formen des 15. Jh. werden schließlich die Akten-, Kanzlei-, und Kurrentschrift entwickelt.

Im 17. Jh. beginnt man unter dem Einfluss des Barock und Rokoko die Buchstaben mit ausgiebigeren Schnörkeln zu verzieren. Während dagegen mit dem Beginn des 19. Jhs. eine fast unpersönlich wirkende Kanzleischrift in Verwendung kommt. Somit wird deutlich, dass es viele verschiedene Varianten und Mischformen der sogenannten deutschen Schrift gab. Eine der bekanntesten ist wohl die Sütterlinschrift.

Was ist Sütterlin?

Eigentlich muss es heißen "Wer ist Sütterlin", denn Ludwig Sütterlin war der "Erfinder" der Schrift, die wir heute als Sütterlin bezeichnen. Dieser gängige Begriff ist jedoch irreführend, da es sich bei dieser Schriftbezeichung nur um eine Vereinheitlichung der sonst unterschiedlichen "deutschen" Handschriften handelte, die erst in den 20er und 30er Jahren des 20. Jhs. in Deutschland gebräuchlicher Standard wurde. Sütterlin, übrigens ein Grafiker, kreierte jedoch keine völlig neue Schrift, sondern trug nur zusammen, was in den Handschriften des 17.-19. Jhs. gängige deutsche Handschriften an Eigenheiten vorwiesen. Dies bedeutete insbesondere eine kulturelle Eigensinnigkeit des Deutschen gegenüber den Europäischen Nachbarn, was auch die Lehrpflicht während der 30er Jahre erklärt. Grundlagen der Sütterlinschrift waren jedoch, wie erwähnt, die Handschriften der Neuzeit. Insbesondere in Gerichtsakten, Urkunden, Kirchenbuchauszügen, Briefen, Feldpost, Tagebüchern und privaten Aufzeichnungen findet sich das für den heutigen Leser schwer entzifferbare Schriftbild wieder.
Hierbei kam es zu unterschiedlichen Ausprägungen uneinheitlicher Rechtschreibung und je nach Landstrich zu unterschiedlichen Dialekten, was sich auch in der Schriftsprache niederschlug. Nur die Kenntnisse der Fachbegriffe, der regionalen Eigenheiten, des historischen Kontextes und ein gutes Maß an Fantasie und Übung vermögen es, sich des Inhalts dieser Werke zu nähern.